Die Trauer um einen verstorbenen Angehörigen, Freund oder Partner ist längst kein reines Offlinethema mehr. Je digitaler unsere Lebenswelten werden, desto stärker findet das Trauern auch online statt: Viele Menschen pflegen Kontakte über E-Mail, Web, Chat und Messenger, halten ihre Familien und Freunde über Blogs auf dem Laufenden und dokumentieren ihr Leben in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram.
Was passiert aber mit dem digitalen Leben eines Menschen, mit den Bildern und Erinnerungen, Projekten und Texten, Chats und Gesprächen, wenn er stirbt? Gibt es Möglichkeiten online zu trauern? Wie erfahren Onlinekontakte vom Tod – und wo ist Raum für ihre Trauer? Neben Gedenkseiten und digitalen Traueranzeigen gibt es für diese Fragen noch eine weitere Möglichkeit: Hat der Verstorbene zu Lebzeiten Facebook genutzt und war dort vernetzt, lässt sich das Facebook-Profil in eine Art digitales Kondolenzbuch umwandeln, den “Gedenkzustand”.
Warum Facebook?
Ein Erfolgsfaktor von Facebook ist, dass dort unzählige Menschen angemeldet sind. Soziale Netzwerke können nur überleben, wenn jedes neue Mitglied möglichst viele andere Mitglieder bereits kennt, bei Facebook also schnell viele “Freunde” gewinnen kann. Auch für die Idee eines digitalen Kondolenzbuchs spielt das eine Rolle: Facebook bietet sich als zentraler Trauerort an, weil in vielen Fällen Freunde und Bekannte bereits dort sind. Damit erübrigt es sich, in verschiedenen Communities und Netzwerken weitere Kondolenzbücher zu pflegen.
Noch wichtiger ist aber, dass Facebook von vielen Menschen zu Lebzeiten als Tagebuch genutzt wird. Das heißt: Auf einem Facebook-Profil liegen zumeist bereits zahllose geteilte Bilder, Artikel, Kommentare, aber auch Gespräche mit (Facebook-)Freunden und den jetzigen Hinterbliebenen. Daraus wird posthum ein Erinnerungsalbum, das den Trauernden hilft, gemeinsam zu gedenken. Gemeinsame Erlebnisse, Urlaube, Diskussionen sind Anlass für Erinnerungen und Gespräche. Facebook bietet mit dem Nachlasskontakt und dem Gedenkzustand von Haus aus Möglichkeiten an, eine Gedenkseite zu veranlassen.
Wie richtet man ein Gedenkprofil als “Kondolenzbuch” ein?
Facebook bietet Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, bereits zu Lebzeiten festzulegen, was mit ihrem Konto nach dem Tod geschehen soll. Dazu kann ein Nachlasskontakt bestimmt oder die Löschung des Kontos nach dem Tod ausgewählt werden. Wird ein Konto in den Gedenkzustand versetzt, bleibt das Profil auf Facebook sichtbar und kann – abhängig von den festgelegten Einstellungen – weiterhin von Freunden und Angehörigen zum Gedenken genutzt werden.
Wer den Tod eines Facebook-Nutzers melden möchte, kann dafür das entsprechende Formular von Facebook verwenden. Facebook prüft die Meldung und kann das Konto anschließend in den Gedenkzustand versetzen. Für die Meldung können Nachweise über den Tod erforderlich sein. Die aktuellen Informationen und das Formular stellt Facebook in seinem Hilfebereich für verstorbene Personen zur Verfügung.

Pflege durch den Nachlasskontakt oder einen anderen Hinterbliebenen
Wurde ein Facebook-Profil in den Gedenkzustand versetzt, sollte sich jemand um die Pflege dieses Kondolenzbuches kümmern. Auch dafür gibt es eine Einstellung auf Facebook, die man schon zu Lebzeiten aktivieren kann: Einen Facebook-Freund als Nachlasskontakt benennen. Der Nachlasskontakt kann bestimmte Aufgaben für das Gedenkprofil übernehmen. Dazu gehören beispielsweise das Verfassen eines fixierten Beitrags, das Reagieren auf neue Freundschaftsanfragen sowie das Ändern des Profil- und Titelbilds.
Der Nachlasskontakt erhält jedoch keinen regulären Zugriff auf das Facebook-Konto und kann sich nicht als die verstorbene Person anmelden. Insbesondere kann er nicht auf die privaten Nachrichten des Verstorbenen zugreifen.
Zur Pflege des Gedenkzustands gehört auch, eingehende Kommentare und Postings regelmäßig zu sichten und gegebenenfalls zu beantworten. Das kann man auch tun, wenn man nicht offizieller Nachlasskontakt ist. Darüber hinaus kann man natürlich auch eigene Inhalte mit Bezug zum Verstorbenen posten oder andere Trauernde dazu auffordern.
Wer keinen Nachlasskontakt bestimmen möchte, kann bei Facebook auch festlegen, dass das Konto nach dem Tod gelöscht werden soll.
Wann ist ein Facebook-Gedenkbuch sinnvoll?
Das wichtigste Kriterium, ob ein Facebook-Gedenkprofil als Kondolenzbuch in Frage kommt, ist, wie aktiv der Verstorbene auf Facebook war. Je aktiver ein Mensch auf Facebook war und je größer sein Netzwerk dort war, desto passender kann ein Facebook-Kondolenzbuch sein.
Übrigens beschäftigt die Frage, was mit einem Facebook-Profil nach dem Tod des Nutzers passiert, inzwischen auch die Justiz (siehe auch Wer erbt mein Facebook-Profil?). Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 12. Juli 2018 entschieden, dass der Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk grundsätzlich auf die Erben übergeht. Die Erben haben damit grundsätzlich Anspruch auf Zugang zum Benutzerkonto einschließlich der darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalte. Der BGH hob damit das Urteil des Kammergerichts vom 31. Mai 2017 auf und stellte das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Berlin wieder her.
Fazit und Tipps in Kürze
Wie bei allen Fragen rund um Trauer bleibt es letztendlich eine individuelle Frage, ob man auf einem Facebook-Profil im Gedenkzustand um einen verstorbenen Menschen trauern möchte. Die Entscheidung für oder gegen ein digitales Kondolenzbuch will gut überlegt sein und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier noch einmal in Kürze die wichtigsten Tipps:
- Machen Sie sich frühzeitig Gedanken, ob Sie oder Ihre Angehörigen und Freunde bei Facebook einmal den Gedenkzustand nutzen möchten.
- Tauschen sie sich mit Ihrer Familie und Ihren Freunden darüber aus.
- Bestimmen Sie bei Bedarf bereits zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt oder legen Sie fest, dass Ihr Konto nach dem Tod gelöscht werden soll.
- Fehlen die Zugangsdaten zum Facebook-Konto des Verstorbenen, können Sie Facebook den Tod melden und damit den Gedenkzustand erwirken.
- Ist das Facebook-Profil bereits im Gedenkzustand, können Sie Freunde, Bekannte und Verwandte ermutigen, dieses als Kondolenzbuch zu nutzen.
- Falls nur wenige der Trauergemeinde Facebook nutzen, können Sie alternativ eine eigene Gedenkwebsite einrichten oder ein Gedenkseitenportal zum kondolieren nutzen.
Über die Autoren:
Sabine Landes pflegt gemeinsam mit Dennis Schmolk seit 2015 unter https://digital-danach.de ein Infoportal rund um digitalen Nachlass, Onlinetrauerkultur und digitales Gedenken. Zudem sind sie als Ratgeberautoren und Referenten zu diesen Themen tätig und veranstalten die Konferenz digina.
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