Schnellüberblick zur Bestattungsform Reerdigung

  • Neue, naturnahe Bestattungsform: Der Körper wird in einem Kokon aus natürlichen Materialien innerhalb von rund 40 Tagen ohne Chemie zu fruchtbarer Erde umgewandelt. In Deutschland ist sie seit 2022 nur eingeschränkt, aktuell vor allem in Schleswig-Holstein, erlaubt.

  • Der Ablauf umfasst Einbettung im Kokon, natürlichen Zersetzungsprozess mit Sauerstoff, Wärme und Mikroorganismen sowie die spätere Beisetzung der entstandenen Erde auf ausgewählten Friedhöfen. Die Gesamtkosten liegen meist bei etwa 7.000–8.000 Euro inklusive Nebenkosten.

  • Vorteile sind Nachhaltigkeit, Symbolik des natürlichen Kreislaufs und individuelle Grabgestaltung. Kritik betrifft u. a. begrenzte Studienlage, ethische Bedenken, geringe Verfügbarkeit, rechtliche Einschränkungen sowie die bislang regionale Zulassung.

Was ist eine Reerdigung?

Eine Reerdigung ist eine alternative Form der Bestattung, bei der der menschliche Körper nach dem Tod auf natürliche Weise wieder zu Erde wird. Der Gedanke dahinter ist einfach und zugleich tröstlich: Das Leben kehrt in den natürlichen Kreislauf zurück. Ein Prozess, der in der Natur viele Jahre dauert, wird dabei behutsam begleitet und auf wenige Wochen verkürzt und das ganz ohne chemische Zusätze.

In Deutschland ist die Reerdigung erst seit 2022 möglich und bislang nur eingeschränkt zugelassen. Gestartet ist sie als Pilotprojekt in Schleswig-Holstein, inzwischen dürfen auch andere Friedhöfe die daraus entstandene Erde aufnehmen. Trotzdem bleibt diese Bestattungsart noch die Ausnahme.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie eine Reerdigung abläuft, was erlaubt ist, welche Kosten entstehen und welche Fragen oder Kritikpunkte es rund um diese Bestattungsalternative gibt.

Wie ist der Ablauf einer Reerdigung?

Eine Reerdigung folgt einem geregelten Ablauf. Im Mittelpunkt steht der Gedanke, den Menschen innerhalb von 40 Tagen behutsam in neue Erde zu verwandeln und ihn so wieder Teil des Kreislaufs der Natur werden zu lassen. Der Weg dorthin sieht in etwa so aus:

  • Abschied und Einbettung im Kokon: Der oder die Verstorbene wird in einem speziellen Kokon gebettet. Er besteht aus natürlichen Materialien. Der Körper ruht auf Heu, Stroh, Grünschnitt und etwas Pflanzenkohle. Angehörige können Blumen beilegen, innehalten und Abschied nehmen.
  • Der natürliche Prozess beginnt: Nach dem Verschließen kommt der Kokon in eine geschützte Umgebung. Dort sorgen Sauerstoff, Wärme und Feuchtigkeit dafür, dass natürliche Mikroorganismen ihre Arbeit aufnehmen.
  • Sanfte Umwandlung innerhalb von 40 Tagen: Über mehrere Wochen wird der Körper Schritt für Schritt zu Erde. Eine leichte, regelmäßige Bewegung des Kokons unterstützt den Prozess, ohne ihn zu stören. Chemische Zusätze kommen nicht zum Einsatz.
  • Es entsteht neue Erde: Nach etwa 40 Tagen ist die Umwandlung abgeschlossen. Zurück bleibt feinkrümelige, fruchtbare neue Erde, in die auch die aufbereiteten Knochen eingebunden sind.
  • Beisetzung und Neubeginn: Die Erde wird in ein Tuch aus Naturfasern eingeschlagen und auf einem Friedhof beigesetzt. Darüber kann bepflanzt werden und an der Stelle wächst neues Leben.

Was passiert mit den Knochen?

Die Knochen bleiben zunächst erhalten. Ähnlich wie bei einer Feuerbestattung lösen sie sich also nicht von selbst auf. Nach Abschluss der Reerdigung werden die Knochen sorgfältig zerkleinert und der entstandenen Erde wieder beigemischt. So bleibt alles zusammen, was zusammen gehört. So sind auch die Knochen ein Teil der fruchtbaren Erde, die später auf dem Friedhof beigesetzt wird.

Was kostet eine Reerdigung?

In der Summe bewegen sich die Gesamtkosten einer Reerdigung häufig bei rund 7.000 bis 8.000 Euro. Die reinen Grundkosten für die Transformation liegen in der Regel zwischen 2.800 bis 2.900 Euro. Darin enthalten sind Materialien und die Zeit im Reerdigungs-Kokon.

Hinzu kommen in der Regel weitere Bestattungskosten, zum Beispiel:

  • Friedhofsgebühren für Beisetzung der Erde
  • Dienstleistungen des Bestatters, etwa Beratung und Organisation
  • Überführungskosten, falls der Verstorbene zum Reerdigungsort gebracht werden muss
  • Trauerfeier, Blumenschmuck und persönliche Ausgestaltung
  • Grabstein oder Gedenkzeichen, falls gewünschtBeispielhafte Kostenrechnung der Bestattungsform Reerdigung

Wo ist eine Reerdigung erlaubt?

In Deutschland ist die Reerdigung bislang nur eingeschränkt erlaubt. Der Grund dafür liegt im Bestattungsrecht: Es ist Ländersache, und jedes Bundesland muss diese Bestattungsform ausdrücklich zulassen.

Aktuell ist die Reerdigung nur in Schleswig-Holstein möglich. Dort gibt es spezielle Einrichtungen, sogenannte Alvarien, in denen der Reerdigungsprozess durchgeführt werden darf. Andere Bundesländer haben bisher keine entsprechende gesetzliche Grundlage geschaffen oder sich bewusst dagegen entschieden. Die Beisetzung der entstandenen Erde ist dagegen etwas weiter gefasst. Sie ist auf ausgewählten Friedhöfen erlaubt, unter anderem in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Friedhof die Beisetzung von Reerdigungs-Erde genehmigt hat. Weitere Bundesländer prüfen derzeit, ob sie die Reerdigung künftig zulassen.

Wichtig für Sie zu wissen: Auch wenn Sie nicht in Schleswig-Holstein leben, können Sie sich grundsätzlich für eine Reerdigung entscheiden. Ihr Körper bzw. Leichnam wird dann zur Durchführung dorthin überführt. Die anschließende Beisetzung kann allerdings aktuell auch nur in bestimmten Friedhöfen erfolgen.

Wie weit verbreitet ist Reerdigung in Deutschland?

Die Reerdigung ist in Deutschland bislang noch wenig verbreitet. Sie gehört zu den jüngsten Bestattungsformen und steckt rechtlich wie praktisch noch in den Anfängen.

Erstmals wurde sie 2022 im Rahmen eines Pilotprojekts in Schleswig-Holstein durchgeführt. Dort ist auch aktuell der einzige Ort, an dem der eigentliche Reerdigungsprozess stattfinden darf. Bundesweit gibt es bisher nur wenige spezialisierte Einrichtungen, die diese Form der Bestattung anbieten.

Gibt es Reerdigungen auch in anderen Ländern?

Die Reerdigung gibt es auch in anderen Ländern, wenn auch bislang nur in begrenztem Umfang. Internationaler Vorreiter sind die USA, wo diese Bestattungsform unter dem Namen Natural Organic Reduction oder Recompose, zu deutsch Human-Kompostierung, bekannt ist. Dort wurde sie 2019 erstmals im Bundesstaat Washington zugelassen. Inzwischen haben weitere Bundesstaaten entsprechende gesetzliche Regelungen geschaffen, darunter:

  • Colorado
  • Oregon
  • Vermont
  • Kalifornien
  • New York

Auch in Europa wird die Reerdigung zunehmend diskutiert. Deutschland zählt hier zu den ersten Ländern, die diese Bestattungsform zumindest im Rahmen eines Pilotprojekts ermöglichen. Andere Länder wie die Niederlande oder die Schweiz prüfen die Bestattungsmethode, haben sie aber noch nicht erlaubt.

Was sind Vorteile einer Reerdigung?

Eine Reerdigung bietet für viele Menschen eine besondere, naturnahe Alternative zu klassischen Bestattungsformen. Die Vorteile liegen dabei nicht nur im ökologischen Aspekt, sondern auch in der persönlichen und emotionalen Bedeutung. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Ein zentraler Vorteil ist die Nähe zur Natur. Bei der Reerdigung kehrt der Mensch vollständig in den natürlichen Kreislauf zurück. Aus dem Körper entsteht fruchtbare Erde, aus der später Pflanzen wachsen können. Viele Angehörige empfinden diesen Gedanken als tröstlich, weil Abschied und Neubeginn miteinander verbunden werden.

Weitere Vorteile sind:

  • Natürlicher Prozess ohne Chemie: Es werden keine chemischen Stoffe eingesetzt. Der Zersetzungsprozess erfolgt ausschließlich durch Mikroorganismen, Sauerstoff und pflanzliche Materialien.
  • Überschaubarer Zeitrahmen: Innerhalb von rund 40 Tagen ist der Prozess abgeschlossen. Für viele Hinterbliebene ist das hilfreich, weil Abschied und Beisetzung zeitlich näher beieinanderliegen.
  • Individuelle Grabgestaltung: Die beigesetzte Erde kann bepflanzt werden. So entsteht ein Grab, das sich sichtbar verändert und lebt – etwa durch Blumen, Sträucher oder einen Baum.
  • Sanfte Alternative zu klassischen Bestattungen: Manche Menschen empfinden weder eine Einäscherung noch eine Sargbestattung als passend. Die Reerdigung wird oft als natürlicherer und friedlicherer Weg wahrgenommen.
  • Symbolik des Kreislaufs: Der Gedanke, dass aus einem traurigen Ende neues Leben bzw. neuer Boden entsteht, hilft vielen Angehörigen bei der Trauerverarbeitung.Vorteile der Bestattungsform Reerdigung

Welche Kritik gibt es an der Reerdigung?

Die Reerdigung stößt trotz wachsendem Interesse auch auf kritische Stimmen. Da es sich um eine noch junge Bestattungsform handelt, gibt es sowohl rechtliche als auch ethische und praktische Einwände. Die wichtigsten Kritikpunkte im Überblick:

Ein häufiger Einwand betrifft die begrenzte wissenschaftliche Datenlage. Kritiker bemängeln, dass es bislang nur wenige unabhängige Studien gibt, die den Prozess umfassend untersucht haben. Zwar deuten erste Untersuchungen darauf hin, dass die Methode unbedenklich ist, vielen reicht diese Grundlage jedoch noch nicht aus.

Auch die Würde der verstorbenen Person wird diskutiert. Manche Menschen empfinden den Gedanken, dass der Körper während des Prozesses bewegt wird oder später ohne Sarg oder Urne beigesetzt wird, als problematisch. Sie sehen darin eine mögliche Verletzung des Pietätsempfindens oder der traditionellen Vorstellung von Totenruhe.

Hinzu kommen rechtliche und organisatorische Einschränkungen. Da die Reerdigung bisher nur in wenigen Regionen erlaubt ist, müssen Verstorbene oft über weite Strecken überführt werden. Das kann für Angehörige belastend sein und die Bestattung komplizierter machen.

Weitere Kritikpunkte sind:

  • Eingeschränkte Verfügbarkeit: Es gibt nur wenige Einrichtungen und eine begrenzte Anzahl an Reerdigungskokons, was Wartezeiten verursachen kann.
  • Technische Grenzen: Der Prozess ist aktuell nur für Menschen bis zu einer bestimmten Körpergröße und einem bestimmten Gewicht möglich.
  • Kosten-Nutzen-Frage: Kritiker weisen darauf hin, dass die Gesamtkosten einer Reerdigung nicht deutlich unter denen klassischer Bestattungen liegen. Sie sind also aus Kostensicht keine günstigere Alternative.
  • Kulturelle Vorbehalte: Bestattungsrituale sind stark von Traditionen geprägt. Für manche Menschen ist die Reerdigung deshalb emotional schwer vorstellbar oder nicht mit religiösen Vorstellungen vereinbar.

Fazit: Unabhängig der Bestattungsform vorsorgen

Für viele Hinterbliebene ist der Gedanke tröstlich, dass der Mensch vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückkehrt und aus der Erde neues Leben entstehen kann. Ob Reerdigung, Erd- oder Feuerbestattung – jede Bestattungsform ist eine sehr persönliche Entscheidung und sollte zu den eigenen Werten und Vorstellungen passen.

Unabhängig davon lohnt es sich jedoch, frühzeitig vorzusorgen. Ein Todesfall bringt für Angehörige nicht nur emotionale Belastungen mit sich, sondern oft auch unerwartete Kosten und organisatorischen Druck. Eine Sterbegeldversicherung kann dabei helfen, die Kosten einer Bestattung abzudecken. So stellen Sie sicher, dass Ihre Angehörigen entlastet sind und sich ganz auf den Abschied konzentrieren können.

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