Alles ist vergänglich und jeder Mensch muss einmal sterben. Mit dieser universellen Wahrheit müssen wir uns alle früher oder später auseinandersetzen. Wie wir mit Sterben, Tod und Trauer umgehen und welche Vorsorge wir treffen, hängt sowohl von persönlichen Überzeugungen als auch von gesellschaftlichen Entwicklungen ab. Doch wie sieht es heute in Deutschland mit der Sterbe- und Bestattungskultur aus? Studien zeigen, dass sich die Einstellung zum Tod verändert: Viele Menschen sprechen offener darüber, wünschen sich mehr Selbstbestimmung und interessieren sich zunehmend für alternative Bestattungsformen.

Mit dem Sterben wird offener umgegangen

Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Ende 2024 waren rund 19 Millionen Menschen mindestens 65 Jahre alt. Das entsprach etwa 22 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung langfristig weiter. Nach den aktuellen Sterbetafeln 2023/2025 beträgt sie bei Geburt 78,8 Jahre für Jungen und 83,4 Jahre für Mädchen. Die aktuellen Zahlen veröffentlicht das Statistische Bundesamt zur Entwicklung der Lebenserwartung.

Auch der gesellschaftliche Umgang mit dem Tod verändert sich. Die FriedWald-Studie aus dem Jahr 2020 zeigte bereits, dass sich viele Menschen regelmäßig mit dem eigenen Lebensende beschäftigen. In der damals befragten Generation X dachten 70 Prozent zumindest gelegentlich über den eigenen Tod nach, 52 Prozent sprachen mit Freunden darüber.

Diese Zahlen stammen zwar aus einer älteren Untersuchung, verdeutlichen aber einen wichtigen gesellschaftlichen Wandel: Das Thema Tod wird zunehmend aus der Tabuzone geholt. Fragen nach dem eigenen Lebensende, der medizinischen Versorgung und der gewünschten Bestattungsform werden häufiger offen angesprochen.

Was passiert nach dem Tod?

Religion und Kirche haben die Einstellung zu Tod und Bestattung über viele Generationen geprägt. Ihre Bedeutung nimmt jedoch ab. Das zeigt sich auch bei den Bestattungsritualen: 2024 wurden nur noch 43,3 Prozent der Verstorbenen von einem evangelischen oder katholischen Geistlichen begleitet. Im Jahr 2000 waren es noch 71,5 Prozent. Die Entwicklung geht aus einer Auswertung von Aeternitas zu kirchlichen Bestattungen hervor.

Weltliche Trauerfeiern und individuelle Abschiedszeremonien gewinnen damit an Bedeutung. Immer häufiger stehen die Persönlichkeit des Verstorbenen und die gemeinsamen Erinnerungen im Mittelpunkt. Statt traditioneller religiöser Rituale wünschen sich Angehörige oftmals eine persönliche Gestaltung des Abschieds.

Unabhängig von religiösen Überzeugungen beschäftigen viele Menschen vor allem die Umstände des Sterbens. Sie möchten möglichst wenig leiden und selbst über medizinische Maßnahmen am Lebensende bestimmen können. Auch die Sorge um Angehörige spielt eine wichtige Rolle: Viele möchten ihren Familien den Abschied erleichtern und ihnen möglichst wenig organisatorische und finanzielle Belastungen hinterlassen.

Vorsorge für die eigene Beerdigung kommt oft spät

Wie die eigene Bestattung aussehen soll, wird häufig erst im höheren Alter zu einem konkreten Thema. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Bestatter aus dem Jahr 2024 zeigt allerdings, dass sich viele Menschen bereits frühzeitig damit beschäftigen. Unter den Befragten über 60 Jahren hatten sich 78 Prozent schon Gedanken über ihre eigene Bestattung beziehungsweise deren Kosten gemacht. Die Ergebnisse sind in der Verbraucherumfrage des Bundesverbands Deutscher Bestatter veröffentlicht.

Wer seine Angehörigen entlasten möchte, kann seine Wünsche schriftlich in einer Bestattungsverfügung festhalten und sich frühzeitig über die Finanzierung informieren. Eine Möglichkeit ist ein Bestattungsvorsorgevertrag mit einem Bestattungsunternehmen. Auch eine Sterbegeldversicherung kann infrage kommen. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Versicherungssumme aus, die zur Finanzierung der Bestattung verwendet werden kann. Allerdings sollte man die Kosten und Leistungen sorgfältig vergleichen, denn eine solche Versicherung lohnt sich nicht für jeden.

Rentnerpaar schaut sich einen Vertrag an

Nachfrage nach alternativen Beisetzungen wächst

Die Bestattungskultur in Deutschland befindet sich seit Jahren im Wandel. Während die klassische Erdbestattung im Sarg an Bedeutung verliert, entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Feuerbestattung. Nach Angaben der RAL-Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen lag der Anteil der Urnenbestattungen 2025 bei rund 81 Prozent. Im Jahr 2021 waren es noch 77 Prozent. Die Entwicklung lässt sich in der jährlichen Statistik der Gütegemeinschaft nachvollziehen.

Auch die Wünsche für die spätere Beisetzung verändern sich. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherinitiative Aeternitas aus dem Jahr 2025 zeigt: Nur noch 25 Prozent bevorzugen ein klassisches Sarg- oder Urnengrab auf einem Friedhof. 24 Prozent wünschen sich eine Beisetzung in einem Bestattungswald, 16 Prozent eine pflegefreie Beisetzungsform auf einem Friedhof. Die vollständigen Ergebnisse stehen in der Aeternitas-Studie zu den Bestattungswünschen 2025.

Zu den Alternativen zählen beispielsweise Baumbestattungen in einem Bestattungswald oder auf einem Friedhof, Seebestattungen und pflegefreie Gemeinschaftsgräber. Bei einer Seebestattung wird die zuvor eingeäscherte Asche in einer speziellen Urne auf See beigesetzt. Bei einer Baumbestattung wird ebenfalls eine Urne mit der Asche des Verstorbenen beigesetzt.

Weitere Möglichkeiten sind Friedweinberge, bei denen Urnen unter Weinreben beigesetzt werden, oder besonders umweltbewusste Bestattungsangebote. Auch Särge aus nachwachsenden Rohstoffen und digitale Angebote wie Livestreams von Trauerfeiern können eine Rolle spielen. Welche Formen tatsächlich erlaubt sind, hängt allerdings von den Bestattungsgesetzen und Friedhofsregelungen des jeweiligen Bundeslandes ab.

Fragen Sie sich, wie Sie Abschied nehmen möchten

Wann und wie man einmal sterben wird, kann niemand vorhersehen. Doch jeder kann sich frühzeitig Gedanken über den eigenen Abschied machen: Wie möchte ich in Erinnerung bleiben? Welche Bestattungsform wünsche ich mir? Was soll mit meinen sterblichen Überresten geschehen? Und wie kann ich meine Angehörigen entlasten?

Solche Fragen lassen sich nicht unbedingt an einem Tag beantworten. Wer sich jedoch rechtzeitig mit ihnen auseinandersetzt, kann die eigenen Wünsche festhalten und seinen Angehörigen im Trauerfall wichtige Entscheidungen erleichtern. So wird Vorsorge zu einem persönlichen Beitrag für einen selbstbestimmten Abschied.

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