Ob im Reitstall, im Reiturlaub, bei Ausritten im Gelände oder beim Turniersport– Millionen Menschen in Deutschland verbringen ihre Freizeit im Sattel. Doch so idyllisch der Reitsport auch wirkt, ganz ungefährlich ist er nicht. Nach Angaben der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) e. V. in Jena ereignen sich jedes Jahr rund 40.000 Reitunfälle, die ärztliche Behandlung erfordern (Quelle: MDR). Damit gehört Reiten zu den verletzungsintensiveren Sportarten.
In diesem Beitrag erfährst du, wie riskant Reiten wirklich ist, welche Verletzungen häufig vorkommen und wie du dich bestmöglich absichern kannst.
Inhalt
Reitdisziplinen: Welche es gibt und wie gefährlich sie wirklich sind
Der Pferdesport ist vielfältig und bietet für jedes Alter und jedes Können die passende Herausforderung – ob in der Reitschule beim ersten Umgang mit dem Pferd oder später im professionellen Wettkampf. Die Bandbreite an Disziplinen reicht von klassischen Bereichen wie Dressur und Springreiten bis hin zu actionreichen Varianten wie Rodeo oder Polo.
Während manche Reitarten vor allem Technik und die Verständigung zwischen Pferd und Reiter fördern, sind andere durch Tempo, Sprünge oder enge Wendungen deutlich unfallträchtiger. Wer sich für eine Reitsportdisziplin entscheidet, sollte daher nicht nur Freude und Leidenschaft im Blick haben, sondern auch die jeweilige Belastung und das Unfallrisiko kennen. Im Folgenden ein Überblick:
Springreiten
Beim Springreiten geht es darum, gemeinsam mit deinem Pferd einen Parcour aus unterschiedlich hohen und breiten Hindernissen zu meistern. Entscheidend sind gutes Timing, Vertrauen und die enge Abstimmung zwischen euch beiden. Das größte Risiko liegt im Sprung selbst: Wenn dein Pferd im letzten Moment verweigert, den Absprung falsch einschätzt oder nach der Landung ins Straucheln kommt, kann ein Sturz schnell passieren.
Gerade wenn du noch wenig Erfahrung hast, unterschätzt du leicht, wie viel Dynamik und Geschwindigkeit beim Springreiten im Spiel sind. Aber auch geübte Reiter erleben, dass selbst ein routiniertes Pferd durch Lärm, Bewegungen anderer Tiere oder die Atmosphäre im Turnier plötzlich aus dem Rhythmus gebracht wird.
Kommt es zum Unfall, sind typische Folgen Prellungen, Verstauchungen oder Brüche. Besonders häufig betroffen sind Schulter, Schlüsselbein und Kopf – ein Grund mehr, immer mit Helm und passender Schutzkleidung zu reiten.
- Häufige Verletzungen: Schlüsselbeinbrüche, Stürze auf Kopf und Schulter
- Unfallrisiken sind stark abhängig vom Ausbildungsstand des Reiters und der Routine sowie Fähigkeiten des Pferdes
- Risiko-Scoring: hoch
Dressurreiten
Beim Dressurreiten bewegen sich Pferd und Reiter in einem festgelegten Viereck und zeigen standardisierte Übungen wie Schritt-, Trab- und Galoppwechsel, Seitengänge oder Piaffen. Auf den ersten Blick wirkt Dressur weniger risikoreich, da weder hohe Geschwindigkeit noch Hindernisse eine Rolle spielen. Doch auch hier gibt es Unfallrisiken. Ein plötzliches Scheuen des Pferdes, ein unerwarteter Sprung zur Seite oder ein Stolpern können dazu führen, dass der Reiter das Gleichgewicht verliert und stürzt.
- Häufige Verletzungen: Prellungen, Stauchungen, seltener Frakturen durch Stürze
- Unfallrisiken steigen bei jungen, schreckhaften Pferden und unerfahrenen Reitern
- Risiko-Scoring: mittel
Westernreiten
Westernreiten hat seine Wurzeln in den USA und orientiert sich am Arbeitsreiten der Cowboys. Heute findest du Westernreiten in vielen Reitschulen und auch als feste Disziplin auf Turnieren. Charakteristisch sind die einhändige Zügelführung, lange Galoppphasen und plötzliche Wendungen, bei denen dein Pferd sehr geschmeidig und gehorsam reagieren muss.
Für dich als Reiter bedeutet das: Du musst extrem sicher im Sattel sitzen. Bewegungen wie abrupte Stopps („Sliding Stops“) oder schnelle Richtungswechsel fordern dir einiges ab. Wenn du unsicher bist oder die Bewegungen deines Pferdes nicht gut abfängst, steigt das Risiko für Stürze deutlich.
- Häufige Verletzungen: Prellungen, Verstauchungen, Stürze auf Hüfte und Rücken
- Höheres Risiko bei schnellen Manövern wie Spins oder Stops
- Risiko-Scoring: mittel bis hoch
Rodeoreiten
Rodeoreiten ist die wohl riskanteste Form des Pferdesports. Dabei muss der Reiter sich auf einem buckelnden Pferd (oder Bullen) ohne Sattel für eine bestimmte Zeitspanne halten. Das Tier versucht aktiv, den Reiter abzuwerfen – ein enormer Belastungstest für Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Körperkontrolle. Die Unfallgefahr ist hier naturgemäß extrem hoch. Selbst als erfahrener Rodeoreiter kannst du schwere Verletzungen erleiden, wenn du unglücklich stürzt oder nach dem Abwurf vom Pferd oder Bullen getroffen wirst.
- Häufige Verletzungen: Prellungen, Rippenbrüche, Gehirnerschütterungen, schwere Traumata durch Tritte oder Stürze
- Laut internationalen Studien zählt Rodeo zu den verletzungsintensivsten Reitsportarten mit hoher Quote an Notfallbehandlungen (Vergleich PMC)
- Risiko-Scoring: sehr hoch
Wichtig: Rodeoreiten mit echten Pferden steht zu Recht in der Kritik, da es nicht mit dem Pferdewohl vereinbar ist.
Polo
Beim Polo treten zwei Teams mit jeweils vier Reitern gegeneinander an. Ziel ist es, mit langen Schlägern den Ball ins gegnerische Tor zu schlagen. Das Spiel findet auf riesigen Feldern statt und fordert von dir und deinem Pferd Höchstleistungen: schnelle Sprints, enge Wendungen und ständige Richtungswechsel gehören dazu. Gerade durch das hohe Tempo steigt das Risiko für Zusammenstöße mit anderen Reitern oder Pferden.
- Häufige Verletzungen: Prellungen durch Ball- oder Schlägerkontakte, Stürze bei Zusammenstößen, Verletzungen durch Pferdehufe
- Besonderes Risiko: Durch die hohe Geschwindigkeit und die enge Spielfeldsituation kommt es häufiger zu Kollisionen zwischen Pferden oder Spielern
- Risiko-Scoring: mittel bis hoch
Galopprennen
Beim Galopprennen trittst du als Jockey mit deinem Pferd über Distanzen von meist 1.000 bis 3.200 Metern an. Das Tempo ist hoch, die Abstände sind gering, und jede deiner Hilfen muss sitzen. Schon kleine Fehler, ein Ausrutscher auf der Bahn oder ein spontanes Ausweichen können schwere Stürze auslösen.
Zusätzlich musst du ein sehr geringes Körpergewicht halten. Diäten und Flüssigkeitsentzug gehen an die Substanz und machen dich im Ernstfall verletzungsanfälliger.
- Häufige Verletzungen: Knochenbrüche, Kopf- und Rückenverletzungen nach Stürzen bei hohem Tempo
- Risiko-Scoring: sehr hoch
Hinweis: Nicht nur für Reiter, auch für die Tiere selbst ist der Galopprennsport extrem belastend. Laut einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes kam es im Jahr 2023 bei Rennen unter anderem zu:
- 20 Fällen von Lahmheiten,
- 18 Fällen von Nasenbluten,
- über 40 dokumentierten Fehl- oder Überanwendungen der Peitsche,
- mindestens 6 Todesfällen direkt im Zusammenhang mit Rennen.
Jagdrennen
Jagdrennen gehören zu den anspruchsvollsten Arten des Pferdesports. Du reitest dabei mit deinem Pferd im schnellen Galopp über lange Distanzen und musst zusätzlich feste und variable Hindernisse überwinden. Im Grunde ist es eine Mischung aus Springreiten und Galopprennen – die Geschwindigkeit ist hoch, die Sprünge sind fordernd, und dein Pferd darf sich keinen Fehler erlauben.
- Häufige Verletzungen: Prellungen, Schlüsselbein- und Rippenbrüche, Wirbelsäulenverletzungen nach Stürzen über Hindernisse
- Gefahrenpotenzial: Stürze beim Sprung, Stolpern im Gelände oder Massenstürze, wenn mehrere Pferde dicht aufeinanderfolgen
- Risiko-Scoring: sehr hoch
Wie häufig sind Reitunfälle? Das sagt die Statistik
In Deutschland passieren jedes Jahr rund 40.000 Reitunfälle, die ärztlich behandelt werden müssen. Einige Muster zeigen sich dabei besonders deutlich:
- 80 % der Unfälle sind Einzelverletzungen – meist an Händen oder Füßen, zum Beispiel durch Stürze oder Tritte.
- Kopfverletzungen sind im Reitsport überdurchschnittlich häufig. Das Risiko für ein Schädel-Hirn-Trauma ist deutlich höher als bei vielen anderen Sportarten.
- Wirbelsäulenverletzungen gehören ebenfalls zu den typischen Folgen, oft durch Stürze aus größerer Höhe.
- Besonders betroffen sind Reitanfänger und Kinder, die sich noch in der Ausbildung befinden und Situationen schlechter einschätzen können.

- Jeder fünfte Reiter erleidet im Laufe seiner Reitkarriere mindestens eine ernsthafte Verletzung.
- Die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Unfall liegt bei etwa 1 von 10.000 Reitern pro Jahr.
(Vergleich: Thieme).
Welche bleibenden Schäden können bei Reitunfällen entstehen?
Welche Art von bleibenden Schäden auftritt, hängt immer von Unfallmechanismus, Schwere des Sturzes und individuellen Voraussetzungen ab. Prävention durch gezieltes Training, Schutzkleidung, Ausrüstung und der respektvolle Umgang mit dem Pferd sind entscheidend, um Risiken zu reduzieren.
Während viele Unfälle glimpflich verlaufen, können manche bleibende Schäden hinterlassen, die das Leben dauerhaft beeinflussen.
Typische Beispiele für bleibende Folgen sind:
- Kopf- und Gehirnverletzungen
- Wirbelsäulenverletzungen
- Gelenkschäden
- Psychische Belastungen
Ein Beispiel: Ein Reiter stürzt während der Reitstunden über ein Hindernis. Der Aufprall führt zu einem komplizierten Armbruch, der zwar operiert wird, aber die Beweglichkeit dauerhaft einschränkt. Das kann den Alltag, den Beruf und das weitere Reiten erheblich beeinflussen.
Welche Risiken gehen mit einer Reitkarriere einher?
Eine Reitkarriere klingt für viele nach einem Traum – nah an den Pferden, sportlicher Erfolg und vielleicht sogar internationale Turniere. Doch wer sich langfristig für diesen Weg entscheidet, geht auch erhebliche Risiken ein.
Körperliche Risiken
- Hohe Unfallgefahr: Profis reiten fast täglich. Die Häufigkeit von Sprüngen, Rennen oder Trainingseinheiten steigert das Risiko von Stürzen erheblich.
- Verschleißerscheinungen: Dauerbelastung führt zu Problemen mit Gelenken, Rücken oder Wirbelsäule.
- Bleibende Schäden: Komplikationen nach Verletzungen können das Karriereende bedeuten.
Finanzielle Risiken
- Unsichere Einkünfte: Viele Reiter leben von Preisgeldern, Sponsoren oder Reitschulen.
Versicherungslücken: Ohne geeignete Absicherung droht bei Arbeits- oder Berufsunfähigkeit der Verlust des Einkommens.
Fazit: Reitsport richtig absichern und Risiken ernst nehmen
Wer regelmäßig reitet, sollte sich der Risiken bewusst sein. So faszinierend der Pferdesport und das Unterwegssein in der Natur auch sind, Unfälle lassen sich trotz aller Vorsicht nicht immer vermeiden.
Gerade deshalb ist Sicherheit nicht nur eine Frage von Helm, Weste und richtigem Training, sondern auch von finanzieller Vorsorge. Denn wenn ein Sturz oder eine Verletzung die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkt, kann schnell mehr auf dem Spiel stehen als nur die Freude am Reiten. Hier greift eine Berufsunfähigkeitsversicherung: Wenn du nach einem Unfall im Reitsport durch eine dauerhafte Verletzung deinem bisherigen Beruf nicht mehr nachgehen kannst, zahlt sie dir eine monatliche BU-Rente. Sie sorgt dafür, dass deine Existenz auch nach einem Unfall im Reitsport nicht gefährdet wird.
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