Welche Familienversicherungen sind besonders wichtig und auf welche Policen sind eher optional? Wir geben einen Überblick:
Unverzichtbar: Kranken- und private Haftpflichtversicherungen
Eine Krankenversicherung und eine private Haftpflichtversicherung gehören zu den wichtigsten Versicherungen – für Familien wie Singles gleichermaßen.
Krankenversicherung:
In Deutschland besteht grundsätzlich eine Krankenversicherungspflicht. Dennoch kann es insbesondere bei Veränderungen der beruflichen oder finanziellen Situation zu Unsicherheiten hinsichtlich des Versicherungsschutzes kommen. Gerade bei Arbeitslosigkeit oder finanziellen Schwierigkeiten in der Selbstständigkeit sollte deshalb frühzeitig geklärt werden, wie die Krankenversicherung fortgeführt wird.
Wichtig: Bei Arbeitslosigkeit sollte man sich rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit und der Krankenkasse melden. Wer Arbeitslosengeld bezieht, ist in der Regel gesetzlich krankenversichert; die Beiträge werden grundsätzlich von der zuständigen Stelle getragen. Nach dem Ende einer Mitgliedschaft kann unter bestimmten Voraussetzungen ein nachgehender Leistungsanspruch von bis zu einem Monat bestehen. Dieser ersetzt jedoch keine dauerhafte Klärung des Versicherungsstatus.
Kinder werden bei der gesetzlichen Krankenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos in der Familienversicherung mitversichert. Auch Ehepartner und eingetragene Lebenspartner können unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei familienversichert sein. Dabei gelten Einkommensgrenzen und weitere gesetzliche Voraussetzungen.
Wenn einer der beiden Elternteile privat krankenversichert ist, kann die kostenlose Familienversicherung der Kinder ausgeschlossen sein. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der privat versicherte Elternteil regelmäßig mehr verdient als der gesetzlich versicherte Elternteil und sein regelmäßiges Gesamteinkommen zugleich über der maßgeblichen Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt.
Die allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) beträgt 2026 77.400 Euro pro Jahr beziehungsweise 6.450 Euro pro Monat. Ob Kinder beitragsfrei familienversichert werden können, hängt jedoch von den konkreten Umständen ab. Bei einer privaten Krankenversicherung benötigt grundsätzlich jedes versicherte Familienmitglied einen eigenen Vertrag.
Private Haftpflichtversicherung:
Viele private Haftpflichtversicherungen versichern Kinder gemeinsam mit ihren Eltern. Allerdings sind Kinder nicht in jedem Tarif bei Schäden mitversichert, für die sie selbst rechtlich nicht verantwortlich gemacht werden können.
Kinder unter sieben Jahren gelten grundsätzlich als deliktunfähig. Im motorisierten Straßenverkehr gilt diese besondere Regel grundsätzlich bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres; Ausnahmen sind möglich. Auch bei älteren Kindern kann die Einsichtsfähigkeit im Einzelfall eine Rolle spielen. Eltern haften außerdem nicht automatisch für jeden Schaden ihrer Kinder, sondern beispielsweise dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.
Deshalb lohnt es sich für Eltern, einen Familientarif zu wählen, der Schäden durch deliktunfähige Kinder ausdrücklich einschließt. Gerade bei größeren Schäden kann das finanziell wichtig sein. Die genauen Leistungen und Ausschlüsse sollten vor dem Abschluss geprüft werden.
Risikolebensversicherung:
Eine Risikolebensversicherung soll Angehörige im eigenen Todesfall finanziell absichern. Für Familien mit Kindern, in denen nur ein Elternteil oder überwiegend ein Elternteil zum Haushaltseinkommen beiträgt, kann sie besonders wichtig sein. Bei der Antragstellung spielen unter anderem Gesundheitszustand und Vorerkrankungen eine Rolle.
Wenn beide Elternteile berufstätig sind, kann die Variante „Verbundene Leben“ eine Möglichkeit sein. Dabei werden zwei Personen über einen gemeinsamen Vertrag abgesichert. Die vereinbarte Versicherungssumme wird in der Regel beim Tod der zuerst versterbenden versicherten Person ausgezahlt. Anschließend endet der gemeinsame Versicherungsschutz normalerweise. Der überlebende Partner ist dann nicht automatisch weiter abgesichert.
Bei der Entscheidung zwischen einem gemeinsamen Vertrag und zwei einzelnen Risikolebensversicherungen sollten deshalb die Kosten, die gewünschte Absicherung und die langfristige Flexibilität verglichen werden.
Bei der Aufnahme eines Bau- oder Immobilienkredits kann eine Risikolebensversicherung von einer Bank zur Absicherung des Kredits verlangt oder empfohlen werden. Sie ist allerdings keine allgemeine gesetzliche Voraussetzung für jeden Immobilienkredit.
Berufsunfähigkeitsversicherung:
Die Berufsunfähigkeitsversicherung soll das Einkommen für den Fall absichern, dass man seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich dauerhaft oder für einen vertraglich festgelegten Zeitraum nicht mehr ausüben kann. Ob eine Berufsunfähigkeit vorliegt und wann die Versicherung leistet, richtet sich nach den jeweiligen Vertragsbedingungen.
Sie kann sinnvoll sein, weil die gesetzliche Erwerbsminderungsrente häufig nicht ausreicht, um den bisherigen Lebensstandard zu sichern. Zudem gelten für die gesetzliche Erwerbsminderungsrente andere Voraussetzungen: Entscheidend ist dabei grundsätzlich, wie viele Stunden jemand noch unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes arbeiten kann.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird teilweise in Kombination mit einer Risikolebensversicherung angeboten. Ob das sinnvoll ist, sollte sorgfältig geprüft werden. Dabei spielen unter anderem die Höhe der Versicherungssumme, die Kosten, die Vertragsbedingungen und die Möglichkeit eine Rolle, beide Absicherungen unabhängig voneinander anzupassen.
Hausratversicherung:
Eine gute Hausratversicherung schützt das bewegliche Eigentum im Haushalt vor vereinbarten Schäden. Dazu zählen typischerweise Schäden durch Brand, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl sowie Sturm und Hagel. Bei einem versicherten Schaden werden beschädigte oder gestohlene Gegenstände im Rahmen der Vertragsbedingungen grundsätzlich zum Neuwert ersetzt.
Auch wer keine großen Wertsachen wie teuren Schmuck, hochwertige Technik oder Kunst besitzt, sollte den Wert seines Hausrates nicht unterschätzen. Möbel, Kleidung, Elektrogeräte und andere Alltagsgegenstände können sich zu beträchtlichen Summen addieren.
Wichtig ist, auf eine ausreichende Versicherungssumme und mögliche Entschädigungsgrenzen zu achten. Schäden durch Überschwemmung oder Rückstau sind beispielsweise nicht automatisch in jedem Tarif enthalten und erfordern häufig einen zusätzlichen Elementarschutz. Schäden am Gebäude selbst fallen normalerweise in den Bereich der Wohngebäudeversicherung.
Invaliditätsversicherung:
Eine Invaliditätsversicherung kann Kinder und Erwachsene für den Fall schwerer dauerhafter Beeinträchtigungen absichern. Welche Ursachen versichert sind und welche Leistungen gezahlt werden, hängt von der jeweiligen Produktart und den Vertragsbedingungen ab.
Besonders bei Kindern lohnt sich ein genauer Blick auf die Kinderinvaliditätsversicherung. Anders als eine reine Unfallversicherung können entsprechende Tarife auch dauerhafte Beeinträchtigungen infolge von Krankheiten abdecken.
Die Leistungen unterscheiden sich je nach Vertrag. Möglich sind beispielsweise eine einmalige Kapitalzahlung, eine monatliche Rente oder eine Kombination verschiedener Leistungen. Eine lebenslange Rentenzahlung ist jedoch nicht automatisch Bestandteil jeder Invaliditätsversicherung.
Für Erwachsene sollte außerdem zwischen einer Invaliditätsversicherung, einer privaten Unfallversicherung und einer Berufsunfähigkeitsversicherung unterschieden werden. Sie decken unterschiedliche Risiken ab und ersetzen einander nicht ohne Weiteres.
Zwischenfazit: Viele Versicherungen können für Familien sinnvoll sein. Welche davon tatsächlich unverzichtbar sind, hängt jedoch von der individuellen Lebenssituation, dem Einkommen, vorhandenen Rücklagen und den persönlichen Risiken ab. Versicherungen kosten Geld, weshalb eine sinnvolle Priorisierung wichtig ist. Entscheidend sind nicht nur die Beiträge, sondern vor allem die Versicherungsbedingungen, Ausschlüsse und tatsächlichen Leistungen.
Individuell abhängig oder fraglich
Krankenzusatzversicherungen:
Manchmal sind Zusatzversicherungen schon für kleine monatliche Beiträge erhältlich, manchmal sind die gewünschten Leistungen bereits durch die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt. Deshalb sollte man klare Prioritäten setzen und die Leistungen genau vergleichen.
Zu den bekanntesten Zusatzversicherungen zählen Versicherungen für Zahnersatz. Zahnersatz kann teuer werden, wobei die gesetzliche Krankenversicherung bereits einen befundbezogenen Festzuschuss zahlt. Eine Zahnzusatzversicherung kann den eigenen Kostenanteil reduzieren, übernimmt aber nicht zwangsläufig sämtliche Kosten.
Vor dem Abschluss sollte man auf Erstattungsgrenzen, Wartezeiten, mögliche Leistungsstaffeln und den Umgang mit bereits angeratenen oder begonnenen Behandlungen achten. Der Zustand von Zähnen und Zahnfleisch kann ebenfalls eine Rolle spielen. Eine zahnärztliche Beratung kann helfen, den voraussichtlichen Behandlungsbedarf besser einzuschätzen.
Auch bei Sehhilfen ist die Annahme verbreitet, dass man die Kosten immer vollständig selbst tragen muss. Das stimmt nicht in jedem Fall. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Brillen und andere Sehhilfen jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gelten weitergehende Ansprüche als für Erwachsene. Bei Erwachsenen ist eine Kostenübernahme insbesondere bei bestimmten schweren Sehbeeinträchtigungen oder therapeutisch erforderlichen Sehhilfen möglich. Die Erstattung richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben und den geltenden Festbeträgen.
Bevor man eine private Sehhilfen-Zusatzversicherung abschließt, sollte man deshalb prüfen, welche Leistungen bereits von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden und welche zusätzlichen Kosten voraussichtlich entstehen.
Unfallversicherung:
Eine private Unfallversicherung kann bei versicherten Unfallfolgen finanzielle Unterstützung leisten, beispielsweise bei dauerhafter Invalidität oder bestimmten notwendigen Umbaumaßnahmen. Entscheidend sind dabei die vereinbarten Leistungen und die konkreten Vertragsbedingungen.
Allerdings deckt eine Unfallversicherung grundsätzlich Unfallfolgen ab und nicht beliebige Erkrankungen. Gerade bei dauerhaften Beeinträchtigungen kann dieser Unterschied wichtig sein, denn auch Krankheiten können zu langfristigem Unterstützungsbedarf führen.
Eine Kinderinvaliditätsversicherung kann je nach Tarif auch Beeinträchtigungen infolge von Krankheiten absichern. Deshalb sollten Familien prüfen, welche Risiken sie tatsächlich abdecken möchten und ob eine Unfallversicherung allein dafür ausreicht.
Rechtsschutz:
Für Familien mit Kindern kann eine Rechtsschutzversicherung je nach Lebenssituation sinnvoll sein, ist aber nicht für jeden Haushalt gleichermaßen wichtig. Sie kann beispielsweise bei bestimmten mietrechtlichen, beruflichen oder verkehrsrechtlichen Streitigkeiten helfen, die finanziellen Folgen eines Rechtsstreits zu begrenzen.
Wer zur Miete wohnt, sollte insbesondere prüfen, ob ein Mietrechtsschutz sinnvoll ist. Mitglieder eines Mietervereins können je nach Verein und Mitgliedschaft Zugang zu mietrechtlicher Beratung und gegebenenfalls einer ergänzenden Rechtsschutzversicherung erhalten. Leistungsumfang, Wartezeiten und Ausschlüsse sollten dabei genau geprüft werden.
Immer auch ein bisschen Geld für sich und die Kinder behalten
Weihnachten und Geburtstage, neue Kleidung für Kinder im Wachstum – es muss ja nicht immer alles nur aufgetragen oder Secondhand sein. Schulranzen, Freizeitaktivitäten, kindgerechte Urlaube, Fahrzeug(e): Es gibt in Familien viele sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten für Geld.
Denken Sie auch an das erste Auto für den Nachwuchs. Wer frühzeitig mit dem Sparen beginnt, kann über die Jahre ein finanzielles Polster aufbauen. Ob dafür ein Sparplan, ein Tagesgeldkonto oder eine andere Anlageform infrage kommt, hängt unter anderem vom Anlagehorizont und der persönlichen Risikobereitschaft ab.
Darüber hinaus gibt es weitere Versicherungen, beispielsweise Reisegepäckversicherungen, Glasbruchversicherungen, private Arbeitslosenversicherungen sowie zusätzliche Geräteversicherungen für Laptops, Fahrräder und Handys. Nicht jede dieser Versicherungen ist für jeden Haushalt notwendig. Hier sollte man prüfen, ob der mögliche Schaden finanziell selbst getragen werden könnte und ob bereits andere Versicherungen Schutz bieten.
Es sollte alles bezahlbar und im Rahmen bleiben. Sich ausschließlich gegen alle denkbaren Risiken abzusichern, garantiert kein erfülltes Familienleben. Sinnvoller ist es, existenzbedrohende Risiken zuerst abzusichern, ausreichende Rücklagen aufzubauen und anschließend zu entscheiden, welche weiteren Versicherungen zum eigenen Leben passen.
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