Expertenbeitrag
Entnahmeplan oder Rentenversicherung: Welche Strategie sich für die private Altersvorsorge lohnt
Autor: Dr. Klaus Mühlbauer
Im Vergleich Entnahmeplan vs. Rentenversicherung
Die private Altersvorsorge ist heute eine der wichtigsten Grundlagen für finanzielle Sicherheit im Ruhestand. Da die gesetzliche Rente für viele nicht ausreichen wird, spielt das selbst aufgebaute Vermögen eine entscheidende Rolle. Doch wie kann dieses Kapital über viele Jahre hinweg regelmäßige Einnahmen liefern? Zwei Modelle stehen dabei im Mittelpunkt: ein Auszahlplan bzw. Entnahmeplan – etwa in Form eines ETF-Entnahmeplans – und eine fondsgebundene Rentenversicherung. Beide Modelle haben ihre Vorteile, aber auch Risiken – worauf also sollten Anlegerinnen und Anleger achten?
Was ist ein Entnahmeplan?
Ein Entnahmeplan (auch Auszahlplan oder Auszahlungsplan genannt) ist ein Modell, bei dem aus einem bestehenden Vermögen regelmäßig feste Beträge entnommen werden. Diese Entnahmen erfolgen meist monatlich und stammen häufig aus Investmentfonds, wie beispielsweise ETFs. Ziel ist es, sich aus seinem Kapital planbare und verlässliche Einnahmen auszahlen zu lassen. Diese sollen als Ergänzung zur gesetzlichen Rente dienen.
Mit einem Entnahmeplan lässt sich genau kalkulieren, wie hoch die monatlichen Zuflüsse sein sollen. Allerdings hängt von der Höhe der Zuflüsse auch der Zeitraum der Entnahmen ab:
Vorteile eines Entnahmeplans
Nachteile eines Entnahmeplans
Für wen eignet sich ein Entnahmeplan?
Betrachtet man die Vor- und Nachteile, dann eignet sich Entnahmeplan daher besonders für erfahrene Anleger, die ihre Finanzen selbst genau im Blick behalten und von Marktentwicklungen profitieren möchten.
Welche Entnahmestrategien gibt es?
Grundsätzlich lassen sich zwei Strategien unterscheiden:
Entnahmeplan mit Kapitalverzehr
Hier werden regelmäßig sowohl Erträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) als auch Teile des investierten Kapitals entnommen. Diese Variante ermöglicht höhere monatliche Zahlungen, führt aber dazu, dass das Vermögen irgendwann aufgebraucht ist.
Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr
In diesem Modell entnimmt man ausschließlich die Erträge. Das Kapital selbst bleibt erhalten und kann weiter investiert bleiben. Allerdings fallen die monatlichen Entnahmen viel geringer aus.
In beiden Fällen bleibt das nicht entnommene Kapital investiert – etwa in Aktienfonds, Anleihen oder Tagesgeld – und unterliegt damit Markt- und Zinsschwankungen.
Tipp: Online-Entnahmeplanrechner nutzen
Entnahmeplanrechner im Internet können Ihnen helfen, Ihre optimale Entnahmestrategie zu berechnen. Sie liefern jedoch nur Wahrscheinlichkeiten für das Erreichen Ihrer finanziellen Ziele, da diese meist auf historischen Durchschnittsdaten zurückgreifen und diese in die Zukunft fortschreiben.
Steuerliche Aspekte: Rentenversicherung vs. Entnahmeplan
Nach jahrzehntelangem Sparen und Investieren, steht beim Renteneintritt oft ein ansehnliches Vermögen zur Verfügung. Wer beispielsweise ab dem 30. Lebensjahr monatlich 290 Euro investiert und jährlich 6 % Rendite erzielt, verfügt mit 65 Jahren über rund 400.000 Euro – davon stammen etwa 122.000 Euro aus Einzahlungen und 278.000 Euro aus Erträgen.
Tabelle 1: Vergleich der Besteuerung von Rentenversicherung und Entnahmeplan
| Rentenversicherung | Entnahmeplan | |
|---|---|---|
| Auszahlung vor Steuerabzug | 12.000,00 Euro | 12.000,00 Euro |
| Steuerabführung | 540,00 Euro | 1.951,75 Euro |
| Mittelzufluss nach Steuerabzug | 11.460,00 Euro | 10.048,25 Euro |
Der Steuervorteil der Rentenversicherung beträgt in diesem Beispiel rund 1.400 Euro jährlich. Um denselben Nettobetrag auf’s Konto zu erhalten, müsste beim Entnahmeplan mehr Kapital – etwa 14.000 Euro – entnommen werden.
Vor- und Nachteile der Auszahlungsformen im Vergleich
Für bzw. gegen beide Auszahlungsformen sprechen jeweils unterschiedliche Punkte:
| Rentenversicherung: Ausgewählte Vorteile | Rentenversicherung: Ausgewählte Nachteile |
|---|---|
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| Entnahmeplan: Ausgewählte Vorteile | Entnahmeplan: Ausgewählte Nachteile |
|---|---|
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Die Historie hat gezeigt, dass – aus einem steuerlichen Blickwinkel betrachtet – Versicherungsprodukte einen deutlich höheren Vertrauensschutz genießen, als Investmentprodukte. Bereits vor 250 Jahren wusste Benjamin Franklin: „Nichts auf dieser Welt ist sicher, außer der Tod und die Steuer!“
Wer lebenslange Ausgaben hat, braucht lebenslange Einnahmen
Oft wird die eigene Lebenserwartung unterschätzt, obwohl die durchschnittliche Lebenserwartung in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen ist. Zahlen der Deutschen Rentenversicherung belegen, dass gesetzliche Rentenzahlungen in den vergangenen 20 Jahren um 2,8 Jahre (Frauen) bzw. 4,5 Jahre (Männer) länger geleistet wurden.
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| 2003 | 14,3 Jahre | 19,3 Jahre |
| 2013 | 17,0 Jahre | 21,5 Jahre |
| 2023 | 18,8 Jahre | 22,1 Jahre |
Eine Anmerkung zum Schluss: Niemand weiß wie alt er oder sie werden wird. Damit ist die „richtige“ Laufzeit eines langfristigen Entnahmeplans schwer zu bestimmen. Bedenken Sie jedoch bei jeder Form der Altersvorsorge: Es kann – für Ihre Erben – gut sein, wenn am Ende des Lebens noch Geld übrig ist. Es wäre jedoch katastrophal, wenn am Ende des Geldes noch Leben übrig ist.
Häufige Fragen zum Vergleich zwischen Entnahmeplan und Rentenversicherung

Autor und Experte im Bereich Wertpapiere
Dr. Klaus Mühlbauer
Dr. Klaus Mühlbauer ist Volkswirt, Buchautor und seit mehr als 35 Jahren ein sehr renommierter Wertpapierexperte. Mehr als 13 Jahre war er für internationale Investmentgesellschaften tätig und ist seit 12 Jahren selbständiger Kapitalmarktreferent sowie Unternehmensberater. In seinen Webinaren, Workshops, Videos, Podcasts und Texten legt er besonderen Wert auf eine einfache und kompakte Darstellung komplexer Finanzmarkt-Themen.








