Ob man ein Testament verfasst oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Es ist nicht zwingend erforderlich. Wer aber beispielsweise die gesetzlich vorgeschriebene Erbreihenfolge umgehen will, sollte sich mit dem Gedanken an ein eigenes Testament auseinander setzen. In einem solchen können zum Beispiel ausgewählte Angehörige bevorzugt werden. Darüber hinaus ist es umso sinnvoller ein Testament zu verfassen, je komplizierter die Vermögensverhältnisse sind.
Will man sein Testament eigenständig ohne Notar verfassen, sollte man einige Kriterien berücksichtigen, damit der Letzte Wille formwirksam ist und spätere Streitigkeiten möglichst vermieden werden. Dazu gehört zunächst, dass man selbst testierfähig, also in der Lage ist, die Bedeutung und Tragweite seiner letztwilligen Verfügung einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, vor der Testamentsverfassung ärztlichen Rat einzuholen und bei konkreten Zweifeln an der Testierfähigkeit gegebenenfalls eine fachärztliche Begutachtung in Betracht zu ziehen. Ein Gutachten kann spätere Streitigkeiten jedoch nicht sicher ausschließen. Personen zwischen 16 und 18 Jahren können ihr Testament nur in der gesetzlichen vorgeschriebenen notariellen Form anfertigen.
Formale Kriterien eines Testaments
Zunächst muss jedes Testament einigen formalen Kriterien entsprechen. Es sollte unter anderem mit der Angabe der eigenen Adresse, des Datums sowie dem Verfassungsort versehen sein. Datum und Ort sollen nach § 2247 BGB angegeben werden. Fehlen diese Angaben, führt das allerdings nicht automatisch zur Unwirksamkeit des Testaments. Die Angabe der eigenen Adresse ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. So kann sichergestellt werden, dass es sich um die aktuellste Version handelt. Darüber hinaus sollte das Dokument eine Überschrift tragen, wie beispielsweise „Mein Testament“, damit ersichtlich ist, dass es sich um das tatsächliche Dokument handelt und nicht nur um einen Entwurf.
Ganz wichtig ist außerdem, dass das Testament durchgängig handschriftlich verfasst wird; die Erstellung mit PC oder Schreibmaschine ist als eigenhändiges nicht rechtswirksam. So können Fälschungen erschwert werden. Außerdem muss das Testament mit Vor- und Familiennamen unterschrieben werden. die Unterschrift soll beide enthalten. Sie muss nicht vollständig lesbar sein, muss aber als Unterschrift erkennbar sein und den Namen des Unterzeichnenden wiedergeben. Ein bloßes Zeichen oder eine wellenförmige Linie genügt nicht ohne Weiteres. Abkürzungen sollten nicht vorgenommen werden. Ist das Testament mehrere Seiten lang, ist eine Unterschrift auf jeder einzelnen Seite gesetzlich nicht generell vorgeschrieben. Es empfiehlt sich jedoch, die Seiten eindeutig zuzuordnen und zu nummerieren, um Zweifel über die Zusammengehörigkeit zu vermeiden. Darüber hinaus sind die Seiten zu nummerieren. Um Missverständnisse oder gar die Ungültigkeit des Testaments zu vermeiden, muss so leserlich wie möglich geschrieben werden.
Das Testament von Dritten verfassen zu lassen ist ungültig. Wer ein eigenhändiges Testament errichten möchte, muss den Text selbst handschriftlich schreiben und unterschreiben. Kann eine Person kein eigenhändiges Testament errichten, kommt insbesondere ein notarielles Testament in Betracht. Dabei kann sie dem Notar ihren letzten Willen erklären oder eine Schrift mit der Erklärung übergeben, dass diese ihren letzten Willen enthält. Die Schrift muss nicht von ihr selbst geschrieben worden sein. Ein von einer anderen Person geschriebener oder ausgedruckter Text wird jedoch nicht allein dadurch zu einem wirksamen eigenhändigen Testament, dass er einem Notar in einem verschlossenen Umschlag übergeben wird. Für ein notarielles Testament gelten eigenen gesetzliche Formvorschriften.
Unmissverständlich formulieren
Bei einem Testament kommt es vor allem auf die Formulierung an. Sie sollte so eindeutig und unmissverständlich wie möglich ausfallen, sodass die jeweiligen Erbschaftsanteile den Erben genau zugeordnet werden können und Erbstreitigkeiten vermieden werden. Eindeutig sind Formulierungen wie: „Ich setze meine beiden Kinder als Alleinerben zu gleichen Teilen ein.“ Diese Formulierung ist allerdings missverständlich: Werden zwei Kinder zu gleichen Teilen als Erben eingesetzt, sind sie Miterben und nicht beide jeweils Alleinerben. Treffender wäre: „Ich setze meine beiden Kinder zu gleichen Teilen als meine Erben ein.“ „Hilfreich kann außerdem sein, explizit zu formulieren, dass der gesetzlich Erbberechtigte oder die Person, die in der gesetzlichen Erbfolge an erster Stelle steht, nichts erhalten soll und dies zu begründen: „Mein Ehegatte soll nichts erhalten, weil …“
Allerdings können Personen, die der rechtlichen Erbfolge entsprechen, also Ehegatten, Kinder und Eltern, in der Regel nicht von ihrem Pflichtteil enthoben werden. Wer durch Testament von der Erbfolge ausgeschlossen wird, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen einen Pflichtteilsanspruch haben. Pflichtteilsberechtigt sind insbesondere Abkömmlinge und Ehegatten sowie unter bestimmten Voraussetzungen die Eltern des Erblassers. Dies sollte ebenfalls formuliert werden: „Mein Ehegatte wird auf den Pflichtteil verwiesen.“ Eine solche Formulierung kann verdeutlichen, dass der Ehegatte nicht Erbe werden, sondern auf einen möglichen Pflichtteilsanspruch beschränkt sein soll. Sie beseitigt den Pflichtteilsanspruch jedoch nicht. Der Pflichtteil kann nur bei schwerwiegenden Gründen entzogen werden, beispielsweise dann, wenn ein Verbrechen oder Misshandlungen gegen den Erblasser vorliegen. Weitere gesetzlich geregelte Gründe sind ebenfalls möglich. Die Voraussetzungen sind in § 2333 BGB festgelegt; der Entziehungsgrund muss im Testament angegeben werden. Im Streitfall muss das Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzung nachgewiesen werden können.
Unter anderem kommt es auch auf die Wortwahl an. „Vererben“ und „vermachen“ sind beispielsweise nicht dasselbe. Während es sich beim Erbe um das gesamte Erbe oder doch einen größeren Teil handelt, gehen beim Vermächtnis nur einzelne Teile des Nachlasses auf den Vermächtnisnehmer über – beispielsweise das Haus, das Auto oder auch das Bankvermögen. Rechtlich wird der Erbe grundsätzlich Gesamtrechtsnachfolger des Verstorbenen. Ein Vermächtnisnehmer erhält dagegen in der Regel einen Anspruch auf Herausgabe des vermachten Gegenstands oder auf die entsprechende Leistung. Ein Vorteil für den Vermächtnisnehmer ist, dass er nicht allein durch das Vermächtnis in Erbschaftsstreitigkeiten verstrickt wird, da die Erben verpflichtet sind, ihm diese Gegenstände herauszugeben. Streitigkeiten über die Wirksamkeit des Testaments, die Auslegung des Vermächtnisses oder dessen Erfüllung sind dadurch allerdings nicht ausgeschlossen.
Weitere Maßnahmen für ein wirksames Testament
Zu einem eindeutig verständlichen Testament gehört auch, dass Änderungen und Aktualisierungen als solche erkennbar sind. Handschriftliche Streichungen und Einfügungen am Originaldokument können zu Missverständnissen und daher auch zur Unwirksamkeit des Testaments führen. Man sollte daher ein vollständiges neues mit dem aktuellen Datum aufsetzen, in dem man ausdrücklich das alte Testament widerruft und neue Bestimmungen verfügt. Änderungen an einem bestehenden Testament sind grundsätzlich ebenfalls möglich, müssen aber formwirksam erfolgen. Bei gemeinschaftlichen Testamenten und bindenden Verfügungen können besondere Einschränkungen gelten.
Die Wirksamkeit des Testaments kann man darüber hinaus mit der Salvatorischen Klausel zu unterstützen versuchen: „Sollte eine der in diesem Testament enthaltenen Anordnungen unwirksam sein, so behalten dennoch alle anderen Anordnungen ihre Wirkung.“ Eine solche Klausel kann den Willen des Erblassers verdeutlichen, garantiert aber nicht, dass bei einer unwirksamen Bestimmung sämtliche übrigen Anordnungen in jedem Fall wirksam bleiben. Ob andere Verfügungen bestehen bleiben, hängt von den Umständen des Einzelfalls und dem Inhalt des Testaments ab.
Grundsätzlich ist es für Eheleute und eingetragene Lebenspartnerschaften auch möglich, ein gemeinschaftliches Testament beziehungsweise ein Berliner Testament aufzusetzen, in dem sich die Partner gegenseitig als Erben einsetzen. Die Kinder erhalten in dem Fall erst nach dem Tod des hinterbliebenen Ehepartners das Erbe. Dies gilt, wenn die Kinder als Schlusserben für den Tod des länger lebenden Partners eingesetzt werden. Das Testament ist darüber hinaus in der Regel von selbigem nicht mehr zu ändern, es sei denn, es enthält eine Freistellungsklausel. Ob und in welchem Umfang der überlebende Ehegatte das gemeinschaftliche Testament noch ändern kann, hängt insbesondere von der Bindungswirkung der getroffenen Verfügungen und den gesetzlichen Voraussetzungen ab. Eine entsprechende Änderungsklausel kann Gestaltungsspielräume eröffnen. Auch im Falle einer Scheidung kann es Probleme geben. ein gemeinschaftliches Testament kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen durch eine Scheidung unwirksam werden. Da eine Änderung eines gemeinschaftlichen Testaments nicht ohne weiteres möglich ist, sollte unter Umständen fachlicher Rat eingeholt werden.
Wichtig ist außerdem, sich darüber Gedanken zu machen, wo das Dokument hinterlegt werden kann. Zum einen sollte es an einem Ort aufbewahrt werden, an dem es schnell gefunden wird, zum anderen sollte man sicherstellen, dass das Dokument nicht in die falschen Hände fällt – zum Beispiel in die eines benachteiligten Erben, der es verschwinden lassen könnte. Eine sichere Möglichkeit ist die amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht. Das eigenhändige Testament kann dort auf Verlangen des Erblassers in besondere amtliche Verwahrung genommen werden. Aus diesem Grund sollte man das Testament entweder an denjenigen Erben geben, der am meisten profitiert, oder es bei einem Nachlassgericht aufbewahren lassen. wird ein Testament nach dem Tod des Erblassers aufgefunden oder befindet es sich im Besitz einer Person, muss es grundsätzlich beim Nachlassgericht abgeliefert werden.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Formelles beachten: Adresse, Datum, Überschrift, Unterschrift mit Vor- und Familiennamen; Datum und Ort sollen angegeben werden, Seiten nummerieren
- Das Dokument muss durchgängig handschriftlich verfasst sein in leserlicher Schrift
- Unmissverständlich formulieren
- Bei Änderungen ein vollständig neues Testament aufsetzen und das alte widerrufen
- Die Salvatorische Klausel berücksichtigen
- Das Dokument an einem sicheren, schnell auffindbaren Ort aufbewahren – am besten in amtlicher Verwahrung beim Nachlassgericht.
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